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Text des WAZ-Artikels vom 22.03.2007:

Fünf Jahre hat Josef Königsberg in Konzentrationslagern verbracht. Mit 82 Jahren hat der Essener begonnen, Kurzromane, Kriminalgeschichten und Erzählungen zu schreiben. Die Ideen sprudeln nur so. Nach "Die Zwillinge" (die WAZ berichtete) legt Königsberg nun die Titel "Schicksal oder Zufall? - Geschichten über Schicksale und Zufälle" sowie die Kurzkriminalgeschichte "Der Uhrendieb von Dschidda Rijad" vor. Königsberg ist inzwischen aufgenommen ins Verzeichnis der "Jüdischen Schriftsteller und Schriftstellerinnen in Westfalen"   (www.juedischeliteraturwestfalen.de). Königsberg freut sich, dass "eine Biografie und Empfehlung meiner geschriebenen Bücher" vor kurzer Zeit "in der Literaturkommission für Westfalen, in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn, erschienen ist". 

Über wahre und erfundene Geschichten berichtet Königsberg in "Schicksal oder Zufall": Da geht es um den Automechaniker George Stewart, der Thomas Ford trifft, diesem imponiert, erst einen besseren Job bekommt und dann Fords Imperium erbt. 13 Anekdoten sind versammelt in dem Band mit 94 Seiten. Da geht es um die Guillotine, um einen Bären, um das Los, eine Verwechslung, um vier Kinder mit vier Schicksalen. Die Erzählung "Der Iraker" endet mit den Worten: "So sollte es sein Schicksal. Oder nur ein purer Zufall?" Diese Frage jedes Mal neu zu beantworten, das überlässt Königsberg dem Leser selbst.

In "Der Uhrendieb von Dschidda-Rijad" geht es im ersten Teil um Peter, der "bereits im fünften Lebensjahr so gut wie fast jede Uhr in Minuten auseinander nehmen" konnte, der faziniert ist von der Uhrentechnik. Sein erster Diebstahl: eine goldene Omega in der Schule. Seiner Tat ist er sich nicht bewusst, wollte er sich das glänzende Stück doch nur ausleihen und ansehen. Dennoch endet er am Ende als reicher Mann.

Dass "Auch Träume können wahr werden" gilt, zeigt im zweiten Teil die Geschichte von Toni McDonald. Turbulent mischt Königsberg Piraten, auf dem Meer ausgesetzte Eltern, Versklavung, Schicksal, immer wieder Träume, eine Liebe, eine Ausbildung zum Arzt - und eine erstaunliche Entdeckung am Ende zu einer kurzweiligen Erzählung.



Text des WAZ-Artikels vom 02.07.2007

"Ich hatte immer Sehnsucht zu schreiben", sagt Josef Königsberg. Seit anderthalb Jahren gibt er dieser Sehnsucht nach und veröffentlicht hauptsächlich Kurzgeschichten und Erzählungen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich - aber Königsberg hat im Alter von 82 Jahren sein Erstlingswerk veröffentlicht. Seitdem hat der 83-jährige bereits fünf Bücher geschrieben. Das jüngste - "Spannende Stories über Schicksale, Abenteuer, Spionage, Verrat" - ist am 21. Juni erschienen. Dieses enthält 15 Kurzgeschichten, denen zum Teil wahre Ereignisse zugrunde liegen. "Liebe macht blind" zum Beispiel. Die Geschichte handelt von einem Bankangestellten, der wegen einer Frau seinen Arbeitgeber bestiehlt. "Mit einer ähnlichen Geschichte bin ich bei Bekannten in New York konfrontiert worden", sagt Königsberg. In "Der Israeli und sein palästinensicher Freund" begegnen sich zwei Jugendfreunde im Krieg wieder. Im letzten Moment erkennen sie einander und der Araber rettet seinen israelischen Freund. Eine ähnliche Geschichte sei ihm in Israel erzählt worden, sagt der Autor. "90 Prozent der Erzählungen aber beruhen auf Phantasie."

Königsberg verbrachte fünf Jahre in einem Konzentrationslager. Im Krieg verlor er Eltern und Geschwister, fast alle Verwandten starben. Dass er überlebt hat, sei Schicksal; an Gott glaubt er nicht. Ihn interessieren Schicksale, weshalb sie auch in seinen Büchern immer wieder eine Rolle spielen. Das Schicksal, so sagt Königsberg, könne jeder selbst beeinflussen. Genau das spiegelt sich in seinen Büchern wider, in denen die Guten belohnt werden und diejenigen, die moralisch schlecht handeln, bestraft werden. Der räuberische Bankangestellte aus "Liebe macht blind" etwa stirbt am Ende. Ein Mann, der seine Frau betrügen will, wird fälschlicherweise für einen Mörder gehalten. Andere Geschichten, in denen sich die Protagonisten nicht "falsch" verhalten, handeln von der Wiedervereinigung von Familienmitgliedern oder Freunden. In diesen Geschichten tritt die Sehnsucht des Autors zutage, dass es auch in seinem Leben eine Zusammenführung der Familie gegeben hätte.

Königsberg ist aber nicht nur Schriftsteller, sondern auch "Business Mann", wie er selbst sagt. Um an seinen Büchern zu verdienen, hat er nach seinem zweiten Buch einen eigenen Verlag gegründet. Zudem hatte er das Gefühl, dass die Verlage, in denen seine ersten beiden Bücher erschienen, "nicht viel für ihre Autoren getan haben". Nun gibt er seine Werke in Eigenregie beim Portalis Verlag heraus. Sein nächstes Buch aber, das im Oktober veröffentlicht wird, erscheint bei dem österreichischen Novum-Verlag. Deren Angebot, ihn zu verlegen, "hat mich sehr gefreut und war eine Bestätigung meiner Arbeit", sagt Königsberg stolz. Immerhin sei dies der größte Verlag in Österreich.

Media-Tipps in der WAZ vom Dezember 2008


Text des Artikels, geschrieben von Liliane Zuuring:

Fünf Jahre hat der Essener Josef Königsberg in Konzentrationslagern verbracht. Über diese Zeit zu sprechen, fiel ihm stets schwer. Darum verfasste er bisher Kurzromane und Erzählungen. Von seinen Kindern animiert, überwand er sich schließlich doch und schrieb seine Lebensgeschichte nieder. "Ich habe erlebt und überlebt! - Das Leben des Menschen ist vom Schicksal bestimmt" (Portalis-Verlag, 8,99 Euro, 194 Seiten) ist "gewidmet allen Menschen, die Ghettos und Konzentrationslager erlebt und überlebt haben".

Von seiner Kindheit an erzählt der 1924 in Kattowitz geborene Königsberg, der im Konzentrationslager seine Mutter und Geschwister verlor, sein Leben.

Die Familie verloren

Eindringlich schildert Königsberg die Zeit im KZ, doch ohne Hass. Er erinnert sich gar auch der "vielen kleinen Lichtblicke, die mir das Grauen zu überstehen halfen. Menschen, die in der Not halfen, obwohl sie dabei manchmal selbst in Gefahr gerieten." Damit gerät seine Schilderung zu einem wertvollen, ausgewogenen Zeitdokument. Er erinnert sich an die schwere Arbeit in der Färberei bei außergewöhnlich hoher Luftfeuchtigkeit und im Farbgestank, bei der er nach Luft schnappen musste, aber auch an den köstlichen Gschmack und Duft der noch dampfenden Suppe mit dem würzigen Fleisch nach dem Krieg. Oder an das erste Bad nach 1500 Tagen und Nächten im KZ.

Königsbergs Buch ist lebendige Geschichte und nicht nur für all jene geeignet, die diese Zeiten miterlebt haben. Es macht trockene Geschichtszahlen und -analyse für jüngere Menschen und Schüler erfahrbar, füllt Geschichte mit Leben. Stolz ist Königsberg, dass seine Autobiographie inzwischen in der Bibiothek des Bundeskanzleramtes steht.

Auch im neuen WAZ-Buch "1933 - Unter dem Hakenkreuz im Ruhrgebiet" ist ein Beitrag von Josef Königsberg enthalten. Darin schildert er Ereignisse aus dem Konzentrationslager.

WAZ vom 24. Oktober 2009


Von Moustache bis Merkel

Josef Königsberg hat erlebt, überlebt und will sich auch mit 85 Jahren noch nicht zur Ruhe setzen
Von Hans-Walter Scheffler

„Wann werden Sie sich endlich zur Ruhe setzen? Das werde ich oft gefragt“, schreibt Josef Königsberg in seiner Biografie „Ich habe erlebt und überlebt“. „Ich denke nicht daran, in Rente zu gehen. Ich werde auch noch, wenn es darauf ankommt, im Rollstuhl arbeiten, lautet dann meine Antwort. Ich bin der Überzeugung, dass Rentner viel schneller altern als Leute, die bis ins hohe Alter und über das Rentenalter hinaus tätig geblieben sind.“ Kommenden Dienstag wird Königsberg 85 Jahre alt, und er bleibt bei seiner Devise: „Immer nach vorn blicken, ich gucke nicht nach hinten. Das Schreiben und die Immobilien füllen mich aus. Ich habe immer noch einen Zehn-Stunden-Arbeitsalltag, abends wird nachgedacht und geschrieben. Mit meiner Frau reise ich noch ununterbrochen, die Welt ist interessant.“

Seit 47 Jahren lebt der gebürtige Oberschlesier in Essen, seiner neuen Wahlheimat. Nach 40-jähriger Unterbrechung begann er wieder zu schreiben, inzwischen liegen sieben Bücher vor. Das nächste wächst schon in seinem Kopf, es soll das deutschpolnische Verhältnis beleuchten. Dazu will er Interviews in Polen machen, mit der Sprache ist er vertraut: „Mit Merkel und Turski ist das Verhältnis besser geworden.“

Seine literarische Laufbahn begann zwei Jahre nach der Befreiung aus den Ghettos und Konzentrationslagern im Breslauer Rundfunk, wo er zu den jüngsten Journalisten gehörte. Aber sein Glück, blickt er heute zurück, dauerte nicht lange: „Ich konnte mich der marxistisch-kommunistischen Ideologie nicht unterordnen, wurde durch Zensoren und bei der Partei denunziert. Ich wurde zur Persona no grata in den Medien erklärt und von Breslau nach Warschau auf einen Beamtenposten verwiesen. Mein Kampf um eine Auswanderungserlaubnis dauerte jahrelang.“ 1962 gelang ihm schließlich die Flucht über die Schweiz und Österreich nach Deutschland. Aber seine Enttäuschung war groß: „Den Rundfunk-Managern passte mein schlesischer Akzent nicht, in den Zeitungsredaktionen bot man mir Lehrlingsstellen an.“

Mit Hilfe von Freunden begann seine zweite Karriere in der Immobilienbranche, heute ist er Generalbevollmächtigter der an der Huttroper Semperstraße ansässigen Portalis Management GmbH. Vom Essener Firmensitz aus ist das Unternehmen vorrangig in Deutschland, Polen, Österreich und der Schweiz tätig.

Was mit der Vermittlung kleiner Wohnungen begann, wurde zur Erfolgsgeschichte, aber in den 70-er Jahren kam es zur Krise: „Damals gab es einen hundertprozentigen Stillstand auf dem Immobilienmarkt, es war viel schlimmer als in der derzeitigen Wirtschaftskrise. Ich war verzweifelt, ging nach Kanada und vermittelte Wohn- und Bürohäuser an deutsche Investoren. Das hat funktioniert.“

Seine Kinder Jolanta-Eva und Robert motivierten den agilen Senior dazu, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben – es gab ein nachhaltiges Echo mit Reaktionen bis hin zu Angela Merkel und Helmut Schmidt. Josef Königsberg sieht sich bestätigt: „Jede freie Minute wird dem Schrieben geopfert.“ Sein Beruf spiele sich hauptsächlich im Internet ab, aber er verweist auf eine Äußerung von Marcel Reich-Ranicki, ob er denn  Angst vor dem Tode habe: „Nein, aber es wäre schade, wenn ich morgens kein Buch oder keine Zeitung mehr in die Hand nehmen könnte.“ Er ist überzeugt davon: „Ein Foto verblasst, ein Stein zerfällt, aber das Buch bleibt.“

Seine Biografie ist auch eine Liebeserklärung an seine Frau Brigitte-Johanna, mit der er seit fünfeinhalb Jahrzehnten zusammen ist. Das Bronzeschild mit der Aufschrift „Moustache“ an der Semperstraße kann er schnell erklären: „Als ich sie kennenlernte, fiel mir sofort der leichte Flaum schwarzer Härchen über ihrer Oberlippe auf und so gab ich ihr den Kosenamen „Moustache (Schnurrbart).“


WAZ-Artikel vom 04.01.2010, geschrieben von Hans-Walter Scheffler

Recherchen hinter Gittern

Der 85-jährige Autor Josef Königsberg ist interessiert am Leben. Deshalb fasziniert ihn das Thema Knast

Was fällt einem zum Thema Knast ein? Aktuell wohl der Doppelausbruch von Aachen, vielleicht noch Guantanamo und Stammheim. "Man geht vorbei, sieht nur Mauern, und mehr weiß man nicht", sagt Josef Königsberg. "Ich bin interessiert am Leben und deshalb faszinieren mich Gefängnisse, ihr Innenleben und ihre Geschichte. Wie lebt so ein Mensch in einer Zelle, wieviel weiß er noch von der Welt draußen, wenn er fünf Jahre isoliert ist." In den Mittelpunkt seines neuen Buches "Im Namen der Gerechtigkeit" möchte der 85-jährige Autor das wissenschaftlich-psychologische Bild eines Verurteilten stellen. In Gesprächen will er das Milieu schildern, aus dem der Betroffene stammt, die Ursachen, die zum Bruch der Rechtsordnung geführt haben, ergründen und die psychischen Auswirkungen des Strafvollzugs beleuchten. Das Landesjustizministerium hat für seine Recherchen grünes Licht gegeben, erste Kontakte zum Landgericht Essen wurden geknüpft, nächste Woche führt er Gespräche in der Landesjustizvollzugsanstalt Werl. "Ich weiß natürlich, dass ich zunächst Vertrauen wecken muss bei Inhaftierten und dass ich wohl  nicht alle Fragen beantwortet bekomme." Der neuen Buchidee ihres Mannes steht seine Frau Brigitte skeptisch gegenüber: "Sie hat etwas Angst vor meinen geplanten Begegnungen". Aber Königsberg geht es noch um mehr. Er will auch herausfinden, wie sich Richter und Staatsanwälte außerhalb ihres beruflichen Alltags fühlen. Seine bisherigen Recherchen ergaben, dass sich die ersten Gefängnisse wohl 1700 v. Chr. in Griechenland nachweisen lassen: "Auch Petrus saß ja schon im Gefängnis. Er wurde von König Herodes verurteilt, weil er Jakobus, den Bruder von Johannes, getötet haben soll." Und weiß weiß denn schon, wieviel Justizvollzugsanstalten es in Deutschland gibt? "200, die meisten davon in Bayern und NRW." Berüchtigt seien vor allem die Gefängnisse Simbabwes: "Die sind schlimmer als die Hölle." In seinem Buch, das in einem halben Jahr erscheinen soll, setzt sich Königsberg auch mit dem aus dem Griechischen stammenden BEgriff Gerechtigkeit ("Dikaiosyne") auseinander: "Ein heikles Thema. Was ist Gerechtigkeit, wer entscheidet das?"



Text des WAZ-Artikels vom 09.10.2010, geschrieben von Hans-Walter Scheffler:

85jähriger Immobilienhändler recherchierte hinter Gittern. „Ein Gefängnis ist eine geschlossene Insel im Staat“

„Wer, wie der Autor, selbst staatliche Willkür erlitten hat, wird auch in einem Rechtsstaat immer ein wachsames, vielleicht sogar ein misstrauisches Auge auf die Justiz als Staatsorgan werfen“, schreibt die Präsidentin des Landgerichts Essen, Monika Anders, im Vorwort zum neuen Buch des Essener Immobilienhändlers und Schriftstellers Josef Königsberg. Dessen Titel „Verpfuschtes Leben“ erklärt Königsberg so: „Ich kann doch meine fünf Jahre KZ aus dem Leben nicht streichen, und auch bei Häftlingen bleibt immer etwas zurück.“ Seine Botschaft heißt aber auch: „Man soll gegen das Schicksal kämpfen.“

  Im Familien- und Freundeskreis hatte man dem gebürtigen Kattowitzer und einstigem Journalisten des Breslauer Rundfunks davon abgeraten, bei Recherchen hinter Gittern Gespräche mit Schwerverbrechern zu führen: „Viele hatten Angst davor.“ Er selbst sei ebenso unsicher wie erwartungsvoll an diese Herausforderung herangegangen: „Ich wusste nicht, was mich erwartet, war beeinflusst durch amerikanische Filme und stellte mir Gefangene in schweren Ketten vor.“ Nach seinen Besuchen in den Justizvollzugsanstalten in Werl und Aachen bilanziert er: „Den Gefangenen geht es doch nicht schlecht. Sauberkeit und Hygiene, das war mein erster Eindruck.“ Aber natürlich begleiten auch Isolation und Depressionen dieses Leben ohne Freunde und Familie: „Ein Gefängnis ist eine geschlossene Insel im Staat.“ Wie bei Jean-Pierre, über dessen Begegnung mit ihm Königsberg schreibt: „Als ich den Besucherraum betrat, warf sich der Junge sofort an meinen Hals. Bitte helfen Sie mir. Ich kann es hier nicht mehr länger aushalten. Wenn ich nicht rauskomme, schneide ich mir die Pulsadern auf. Lieber sterbe ich als noch länger hier zu bleiben.“

  Breiten Raum nehmen in dem Buch zwei Gespräche mit Rudolf Esders, langjähriger Vorsitzender Strafrichter a. D., und Strafrichter Andreas Labentz vom Landgericht Essen ein. Und sie sind mindestens so spannend wie die Interviews mit den Häftlingen. Esders auf die Frage, ob der größere Teil der Verurteilten aus schlechten Verhältnissen stamme: „Gewaltkriminalität, Körperverletzungskriminalität, das ist häufig in sozial weniger gut situierten Verhältnissen angesiedelt. Das ist die Sprache der einfachen Menschen. Das ist leider so. Ich will damit kein Werturteil über Menschen fällen, die aus sozial weniger gut gestellten Verhältnissen kommen. Die sind nun mal auf eine bestimmte Art und Weise sozialisiert worden. Die haben von Kindesbeinen an die Sprache der Gewalt vernommen.“ Und er äußert sich auch zu einem Vergewaltigungsfall, den er als Strafverteidiger begleitete, bei dem sich die Sache völlig umkehrte und die Richter der Frau sagten, sie solle froh sein, kein Verfahren wegen falscher Aussage zu bekommen: „Der Mann wurde wegen Körperverletzung verurteilt, völlig zu Recht. Aber wegen Vergewaltigung nicht. Männer sind häufig das Opfer solcher Beschuldigungen, weil die Frauen sich ihrer wegen ihrer Gewalttätigkeiten entledigen wollen.“

  Richter Andreas Labentz auf die Frage, ob ihm auch mal der Gedanke komme, eine zu hohe Strafe erteilt zu haben: „Ja, ob es nicht doch mit einer zeitlichen Freiheitsstrafe auch getan gewesen wäre, zum Beispiel zehn oder zwölf Jahre. Aber da muss man eben als Jurist und insbesondere als Richter an seinen Schwur denken, den man gegeben hat, stets nach Recht und Gesetz zu urteilen. Eine solche Entscheidung darf ich nie mit den Worten fällen: „Ich meine und finde, zehn Jahre tun es auch.“

WAZ vom 17.08.2011


Text des Artikels vom 17.08.2011, geschrieben von Sibylle Raudies

Überlebt: Schicksal oder Zufall? - Josef Königsberg schreibt über Konzentrationslager, Schinder und Menschenfreunde. Und fragt nach dem "Warum?"

Was Josef Königsberg erlebt hat, reicht für mehrere Leben. Der 87-Jährige hat als junger Mann in Warschau den Kriegsbeginn erlebt, verlor Mutter und Schwester im Konzentrationslager und überlebte selbst nur mit viel Glück.

Vor 47 Jahren flüchtete er aus dem damals kommunistischen Polen und begann im Ruhrgebiet ein ganz neues Leben. Der gelernte Journalist baute in Essen ein Immobilienunternehmen auf, lernte seine Frau - eine Österreicherin - kennen, gründete eine Familie.

In einem Alter, in dem andere sich zur Ruhe begeben, begann er, Bücher zu schreiben. Über das, was er erlebt hat. Über die Menschen, die sein Leben geprägt haben. Warum? "Ein Buch ist das Einzige, was bleiben wird. Für Familie, Kinder und Gesellschaft", erklärt er knapp.

Zehn Bücher sind es mittlerweile. Den Anfang machte seine Autobiografie. "Ich habe erlebt und überlebt". Untertitel: "Das Leben des Menschen ist vom Schicksal bestimmt." Die Frage "Schicksal oder Zufall" fasziniert Königsberg. Was hat gerade ihn als Juden unter den Nazis überleben lassen und andere nicht? Was ist vorbestimmt, was Zufall? Dieser Frage widmete er schon früh einen Erzählband. Sein nächstes Werk soll sich ebenfalls damit befassen.

Sein gerade erschienenes, jüngstes Buch "Sie kämpften gegen den Strom" setzt einen ganz anderen Akzent. Es ist ein heikles Thema, das von manch ewig Gestrigen sicher gern missverstanden wird. Es geht um zwei SS-Sturmbannführer, die Verfolgten geholfen haben, statt sie zu verfolgen oder gar zu quälen. Auch diese Geschichte basiert auf wahren, eigenen Erlebnissen. Königsberg selbst wurde im Ghettp zweimal durch den Einsatz er Widerstandskämpfer in Uniform gerettet. Sie waren Ausnahmen, sehr seltene Ausnahmen. Aber es gab sie. Und einer wie Josef Königsberg ist über jeden Verdacht erhaben, Nazis in Schutz zu nehmen. Das Buch ist auch in keiner Weise geeignet, dies zu tun.

Spannend und anrührend

Wer waren diese als SS-Schergen verkleideten Menschen? Der eine war Sohn einer ansonsten wohl eher Nazi-treuen Familie, die Königsberg vor Veröffentlichung des Buches sogar bat, den wahren Namen seines Wohltäters nicht zu nennen. Der Autor respektierte den Wunsch.

Der andere Menschenfreund in SS-Uniform war in Wahrheit ein Jude. Ein hoch angesehener Offizier hatte ihn adoptiert und ihn eine arische Identität verlliehen, als Dank dafür, dass dessen Vater als Arzt ihm das Leben gerettet hatte. Königsberg beschreibt den Weg der beiden bis über das Ende der Nazizeit hinaus. Spannend und anrührend. Im Anahng gibt es Auszüge aus Königsbergs Autobiografie.



Die kompletten Beiträge sind auf der Web-Seite www.einestages.spiegel.de einzusehen.